Die einzige Gemeinsamkeit kreativer Menschen ist ihre Offenheit für Neues. Seit ich dies in meinem CAS Innovation an der Berner Fachhochschule gelernt habe, berichte ich im Rahmen meiner Blogserie Kreativität regelmässig über meinen Umgang mit Neuem. Diesmal möchte ich über meinen Jury-Platz am BärnHäckt berichten, wo ich neben Höhle der Löwen Investor Jürg Schwarzenbach die Prototypen und Pitches beurteilen durfte.
Ich bin schon seit mehreren Jahren an Hackathons engagiert. Auch in einer Jury war ich schon. Normalerweise war ich eine von 6 oder 7 Juror:innen. Insofern habe ich nicht lange gezögert, als mich das OK von BärnHäckt angefragt hatte, ob ich Lust hätte, einen Jury-Platz zu besetzen. Nebst der Tatsache, dass ich solche Events eine absolute Bereicherung für unsere Bildung und Wirtschaft halte, bin ich auch der Meinung, dass man als Jury den Teams eine gewisse Wertschätzung für ihren Effort zeigen kann.
Die Achterbahn der Gefühle
Als mich einer der Organisatoren nach ein paar Wochen kontaktierte und meinte, die Jury sei nun komplett, war ich natürlich neugierig. Meine Begeisterung ist relativ schnell Ehrfurcht gewichen, als ich erfahren habe, dass
- die Jury nur aus 3 Personen besteht, meine Stimme hat also plötzlich mehr Wert, als ich dies gewohnt bin,
- die anderen beiden Juroren hochkarätige Unternehmer und Investoren sind,
- einer der Juroren Jürg Schwarzenbach ist, ein «Höhle der Löwen»-Investor.
Whaaaaat 😱!? Was habe ich in dieser Jury zu suchen, habe ich mich gefragt. Neben zwei so namhaften Juroren bin ich eine kleine graue Maus. Ich kann den Teams überhaupt nicht gerecht werden. Ich habe also die Organisatoren gefragt, ob sie mich nicht austauschen wollen gegen jemand Besseres. Nix da, haben die gemeint.
Meine initiale Begeisterung ist also einer totalen Unsicherheit gewichen. Obwohl ich schon mehrmals Pitches beurteilt habe, kamen mir nun plötzlich Zweifel. Wie soll ich mich vorbereiten? Haben die anderen beiden ein professionelles Bewertungsblatt? Erhalte ich ein entsprechendes Briefing vor dem Event? Alles kein Problem meinten die Organisatoren. Ich erhalte ein Briefing, alle bewerten nach den gleichen Kriterien, und es sei keine grosse Sache.
Mit etwas Distanz wich die Unsicherheit und die Ehrfurcht dann der Neugierde und der Vorfreude. Wann habe ich schon die Gelegenheit, neben zwei so professionellen Juroren zu sitzen und von ihnen zu lernen? Wie die wohl bewerten? Worauf die wohl achten? Und so habe ich mich wieder freuen können.
Der Tag der Wahrheit kam näher. Als Jurorin bin ich gerne schon des Hackathons vor Ort und mache mir ein Bild. Die Stimmung ist einzigartig und ich bin immer wieder fasziniert von den Teams und ihren Prototypen. Einige Teams nutzen die Gunst der Stunde und wollen am zweiten Tag ihren Pitch vor mir üben und Feedback einholen. Da helfe ich gerne mit.
Am Sonntagmorgen ist Endspurt. Die Teams finalisieren ihre Pitchdecks, geben alle Unterlagen ab und bereiten sich für ihre «3 Minutes of Fame» vor. Parallel findet das Jury-Briefing statt. Nun ist es also soweit. Ich bin aufgeregt und gespannt. Ich treffe auf die anderen beiden und wir besprechen unseren Einsatz. Zuerst gibt’s ein kurzes Briefing über die Challenges, anschliessend über die Bewertungskriterien. Die Teams haben 3 Minuten Zeit, um ihren Prototypen vorzustellen. Anschliessend wird bewertet. Ich frage mich, wie ich die Bewertung vornehmen würde, wenn ich nicht schon des Events das eine oder andere Gespräch mit den Teams geführt hätte. Aber es scheint, als ob dies kein Bedenken für die «alten Jury-Hasen» ist. Das Briefing ist kurz und knapp und es folgt ein Off-Topic-Austausch. Hm… das hätte ich nicht erwartet gehabt. Ich bin erstaunt.
Die Entscheidung
Um 13:00 Uhr gehts los. 19 Teams pitchen ihre Prototypen. Je 3 Minuten, dann gibt’s einen Wechsel. Keine zusätzliche Zeit, keine Fragen, keine weiteren Erklärungen. Bewertet werden die Punkte Kreativität, Umsetzung, Design und Pitch. In drei Minuten. Wow. Wer den Pitch «vergeigt» hat keine Chance mehr. Wer kein ansprechendes Design im Prototyp hat, hat verloren. Hart, wie ich finde, aber wohl auch realitätsnah. Nach 19 Pitches ziehen wir uns zurück in die Besprechung. Ich habe damit gerechnet, dass es nun so einige Diskussionen gibt. Dem war überhaupt nicht so. Kurz und bündig war entschieden, wer gewinnt. Wer nicht überzeugt hat im Pitch, der ist raus. «So isches haut im Läbe».
Und einmal mehr stelle ich fest, dass Vieles am Ende viel einfacher ist, als es von aussen wirkt. Durch meine mehrtägige Begleitung der Teams während dem ganzen Hackathon ist mir die Beurteilung am Ende viel schwieriger gefallen. Die Teams sind mir ans Herz gewachsen. Meine beiden Kollegen hatten «nur» den kurzen und prägnanten 3-Minuten-Pitch zur Bewertung, und sie sind mit dieser Rahmenbedingung bestens klargekommen. Die Beurteilung ist distanziert, recht emotionslos und dafür klar und ungefärbt. «So isches haut im Läbe».
Und so habe ich ein weiteres Mal etwas Neues erfahren dürfen. Und dabei festgestellt, dass vieles nicht so heiss gegessen wird, wie es gekocht wurde. Eine schöne und gleichzeitig auch etwas ernüchternde Realisation.